Über den Bogensport

Im Bogensport gibt es zahlreiche Bogensportdisziplinen, Bogenklassen, Altersklassen, Weltverbände und Herangehensweisen, sowie unterschiedliche Bewerbe und noch mehr Gründe, diesen faszinierenden Sport auszuüben. Ich selbst habe mit dem Bogenschießen vor 20 Jahren begonnen, weil ich es "mal probieren" wollte. Und dann kam ich nicht mehr los. Ich komme aufgrund meiner persönlichen Geschichte sowohl aus der "leistungsorientierten" wie auch der "meditativen Selbsterfahrung-Ecke".
Hier gebe ich dir einen kurzen Überblick über den Bogensport und Regeln nach der WA (World Archery), damit du dich ein wenig orientieren kannst.

Bogensportdisziplinen

In- und Outdoor

Die Hauptsaison ist die warme Jahreszeit, die Outdoorsaison.
Auf einer ebenen Wiese wird auf bekannte Distanzen von 30 - 70m (90m) geschossen.
Hier ist auch das olympische Bogenschießen (auf 70m) angesiedelt, welches meine eigene Hauptdisziplin ist.
Im Winter gibt es eine Hallensaison, die Indoorsaison, in der auf 18m (auf viel kleinere Auflagen) geschossen wird. 

Bogeninfos - Outdoorplatz - Staatsmeisterschaft 

Feldbogenschießen

Geschossen wird im Gelände (Wald und/oder Wiese) auf 12 oder 24 Scheiben, die 5 - 60m weit entfernt stehen. Es werden sowohl Runden mit bekannten wie auch unbekannten Distanzen geschossen. Es gibt zusätzliche Anforderungen: Bergauf- wie Bergabschüsse, Entfernungen sind richtig einzuschätzen, verschiedene Lichtverhältnisse. Daraus ergibt sich schon von selbst: erlerne das Bogenschießen unbedingt auf der Ebene!

feldbogenscheibe 

3D Bogenschießen

Geschossen wird auch im 3D Sport im Gelände, allerdings auf 3D Ziele (Tierattrappen aus Kunststoff). Auch wenn diese Art des Bogenschießens für manche recht jagdlich anmutet, ist mir wichtig zu betonen, dass sich der organisierte Bogensport klar von der Jagd distanziert! Das sportliche 3D Bogenschießen beinhaltet wie das Feldbogenschießen zusätzliche Kenntnisse: Entfernungen (zwischen 5 und 45m) schätzen können, mit unterschiedlichen Lichtverhältnissen klar kommen, Bergauf- wie Bergabschüsse sauber beherrschen. In Österreich ist 3D sicherlich die derzeit am meist verbreitetste Form des Bogenschießens. Doch alles was "hip" ist, führt auch leider zu manchem Unfug. Häufig wird im 3D Bereich auf eine saubere Technik, die ein gesunder, sicherer und exakt wiederholbarer Schuss unbedingt erfordert, vergessen. Daher: Mach es richtig, lerne zuerst eine saubere Technik, dann hast du auch im Gelände auf lange Sicht sicher mehr Freude.

Bogenklassen

Die WA kennt 5 Bogenklassen. Immer wieder führt allerdings die Mehrfachbedeutung des Wortes "recurve" zu Missverständnissen. Das Wort "recurve" bedeutet in seiner Übersetzung "umgebogen". Gemeint ist damit die Bauweise eines Bogens, die sowohl konvex (Langbogen) wie eben auch recurve (bei allen anderen Bogenklassen) sein kann. Gleichzeitig bezeichnet "Recurve" aber auch eine spezielle Bogenklasse, und zwar den Olympischen Recurvebogen. Fälschlicherweise wird immer wieder der Instinktivbogen als Recurvebogen bezeichnet, weil dieser eben auch dieselbe Bauform hat. Aber nur der "Olympic Recurve" wird richtigerweise "Recurve" genannt. 

Langbogen

Einfach konvex gebauter Holzbogen ohne Hilfsmittel. Muss mit Holzpfeilen mit Naturfedern geschossen werden. Griff in die Sehne (Zughand): Entweder mediterran (Pfeil zwischen Zeigefinger und Mittelfinger) ODER mit Untergriff (alle drei Zugfinger direkt unter dem Pfeil). Erlaubt sind sowohl Handschuh wie auch Tab oder Fingerlinge.

langbogen

Instinktivbogen

Bogenmittelteil aus natürlichen Materialien, der Bogen ist sowohl aus einem Stück wie auch zerlegbar (take down) erlaubt. Pfeile aus Holz oder Carbon möglich, außerdem darf eine industriell gefertigte einfache Kunststoffpfeilauflage angebracht sein. Griff in die Sehne (Zughand): Entweder mediterran (Pfeil zwischen Zeigefinger und Mittelfinger) ODER mit Untergriff (alle drei Zugfinger direkt unter dem Pfeil). Erlaubt sind sowohl Handschuh wie auch Tab oder Fingerlinge.

instinktivbogen

Blankbogen

Bogen aus Carbon, Metall oder Holz, Pfeile aus Carbon, Carbon/Alu oder Alu. Es darf eine verstellbare Pfeilauflage sowie ein Button verwendet werden. Es wird der Untergriff mit Stringwalking (als Zielmethode) verwendet. Weiters darf auch ein Gewicht am Bogen angebracht sein, der Bogen muss aber im abgespannten Zustand durch einen Ring mit 12,2 cm Durchmesser passen.

blankbogen

Recurve

Bei den Olympischen Spielen ist nur diese Bogenklasse zugelassen. Es handelt sich um einen Bogen mit zwei Wurfarmen und einem Mittelteil, bei dem einige technische Hilfsmittel verwendet dürfen: Visier, Stabilisatoren, Dämpfer, Gewichte. Anders als bei allen anderen Bogenklassen wird mit Unterkinnanker geschossen.

der Olympic Recurve Bogen

Compound

Das technischste Gerät unter den Bögen. Bogen mit Umlenkrollen, die es ermöglichen, mit mehr Zugkraft zu schießen. Visier mit Wasserwaage, Vergößerung und Prismen erlaubt. Stabilisatoren, Gewichte, ... werden verwendet. In der Sehne befindet sich ein sogenntes "Peep", das mit dem Visier optisch übereinander gelegt wird (was so etwas wie "Kimme und Korn" ist). Die Sehne wird nicht mit den Fingern gezogen, sondern mit einem "Release", das entweder durch Fingerdruck oder durch Rückenspannung ausgelöst wird.

compoundbogen

Altersklassen

Die WA unterscheidet 3 Altersklassen: Kadett*innen (15 - 17 Jahre), Junior*innen (18 - 20 Jahre) und die allgemeine Klasse (ab 21 Jahre).
Darüber hinaus gibt es noch eigene Bewerbe für "Masters" (ab 30, ab 40, ab 50, ab 60, ab 70 Jahre).
National (also in Österreich) gibt es noch folgende weitere Klassen: Schüler*innen I (10 - 12 Jahre), Schüler*innen II (13 - 14 Jahre), Senior*innen I (50 - 64 Jahre) und Senior*innen II (ab 65 Jahre).

Tipps für Einsteiger*innen

Grundsätzlich gilt: Zuerst zu einer*m guten Trainer*in gehen, dann nach ausführlicher Beratung einen Bogen kaufen. Du kaufst dir ja auch kein Pferd, ohne reiten zu können, und ohne irgendetwas über Pferde zu wissen (normalerweise jedenfalls - gscheit wärs halt :-)

Zuggewicht

Egal, ob du voll auftrainiert bist oder denkst, keinerlei Muskulatur oder Kraft zu haben: Für alle Einsteiger*innen wird ein Zuggewicht von 18" - 24" (Pfund) empfohlen. Denn es geht nicht darum, ob du deinen Bogen ziehen kannst, sondern ob du diesen technisch beherrschst und auch imstande bist, die eine oder andere Übung damit zu machen, ohne sofort die Sehne loslassen zu müssen, weil der Bogen so stark ist. Hier gilt es leider, noch viel Aufklärungsarbeit zu leisten. Auch im Sport- sogar immer wieder im Bogensportfachhandel - wird über diese Grundlage oft hinweggegangen.

Links oder rechts?

Nicht deine Händigkeit ist hier entscheidend, sondern dein dominantes Auge. Du kannst ja einmal darauf achten, mit welchem Auge du in ein Mikroskop oder einen analogen Fotoapparat schaust. Bei den meisten Menschen ist die Augendominanz eindeutig, machmal kann sie sich aber, z. B. wegen Müdigkeit oder Lichteinfall, ändern. Bei Kindern allerdings ist die Augendominanz in den meisten Fällen noch nicht ausgeprägt. Hier ändert sich häufig noch einiges. Außerdem kann bei Brillenträger*innen das dominate Auge auch das schlechtere sein. Warum? Ich denke, weil dieses mehr beansprucht wird? (Aber das ist nur meine persönliche Beobachtung in 18 Jahren Bogenschießen-Unterrichten.)

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